02. September 2019
Die Kardiologin Vera Regitz-Zagrosek ist eine Pionierin der Gender-Medizin in Deutschland und Europa und leitet das Institut "Gender in Medicine" (GiM) in der Charité in Berlin. Es handelt sich um ein interdisziplinäres Zentrum, das Auswirkungen von Geschlecht und Gender, also von geschlechtsspezifischen Eigenschaften in Bezug auf Körper und Kultur, auf Krankheiten und unsere Gesundheit untersucht. Regitz-Zagrosek betont, dass sie gegen einen Geschlechterkrieg ist. Medusablätter: Es gab die...
26. Juni 2019
Ich war nie sehr an Fußball interessiert. Und noch weniger, wenn Frauen spielten. Warum eigentlich? Ich dachte immer, es würde an meinen Interessen liegen. Als Kind und Jugendliche habe ich auch nie Fußball gespielt, sondern Ballett getanzt und Gymnastik gemacht, wie so viele andere Mädchen. Dass so wenige Mädchen Fußball spielten, stellte ich nicht in Frage, es erschien mir sogar als selbstverständlich. Nur wurde mir klar, als ich älter wurde, dass – wie bei geschlechtsspezifischen...
15. April 2019
Manchmal blicke ich auf mein Geburtsland wie auf einen Verwandten, mit dem man fremdelt. Solche Gefühle entstehen bei mir, wenn ich die Debatten über Laizität und insbesondere über das Kopftuch in Frankreich verfolge. Um es vorweg zunehmen: Weder habe ich vor, ein Kopftuch zu tragen noch es jemandem zu empfehlen. Ich unterscheide auch sehr wohl zwischen einem Hijab und einer Burka. Aber als Frau und Feministin weiß ich nur allzu gut, wie der Körper von Frauen und deren Kleidung für...
12. Februar 2019
Männer waren für mich die ersten Fremden. Ich wuchs in einer stark von Frauen geprägten Welt auf. Meine Mutter und mein Vater haben beide nur Schwestern, ich selber auch nur eine Schwester. Die Frauen blieben zu Hause oder arbeiteten nur in Teilzeit, so dass meine natürlichen und häufigsten Ansprechpartnerinnen eben weiblich waren: Mutter, Tante, Kusine, Großmutter. Die erwachsenen Männer, die ich irgendwann wahrnahm, teilten sich in zwei Kategorien auf: In diejenigen, die mich – wie...
12. Dezember 2018
Diesen Monat widmen wir uns einer besonderen Frage: Ist Feminismus mit dem Glauben vereinbar? Vor Kurzem ist eine "Bibel der Frauen" in einem schweizerischen Verlag erschienen. Darin haben 20 feministische Theologinnen aus verschiedenen Ländern die aktuellste Forschung und neue Lesarten der Bibel zusammenfasst und sie mit vielen Beispielen aus Literatur, Politik und Kino konfrontiert. Das Ergebnis wird viele überraschen, denn man entdeckt eine Bibel mit emanzipatorischem Potenzial. 
23. Oktober 2018
Dieses Thema treibt mich schon lange um. Wie ein Gespenst begleitet es mich seit Beginn meiner journalistischen Karriere. In den ersten Monaten meiner freien Mitarbeit bei der Pariser Tageszeitung Le Figaro im Jahr 2002 recherchierte ich sowohl über einen Skandal mit Prostitutionsvorwürfen bei einer bekannten Modelagentur als auch über Zwangsprostitution mit osteuropäischen Frauen. Mithilfe dieser beiden Fälle entdeckte ich auf einmal zwei Facetten der Prostitution, die ich bisher nur aus...
14. August 2018
Warum landet man manchmal am richtigen Ort, an einem Ort, der nicht fremd wirkt, obwohl man das erste Mal dort ist? Diesen Sommer verbringe ich in einem Haus im hintersten Winkel der Landes, eine Provinz im Südwesten Frankreichs, eine frühere Heide, die von Schafen und Hirten durchschritten wurde und nach und nach seit Mitte des Neunzehnten Jahrhunderts bewaldet wurde. Auf diesem Territorium bestehend aus Moor, Pinienwäldern und ein paar eingeschlafenen Dörfern, versteckt sich am Ende eines...
15. Juni 2018
Die Streitschrift « Die potente Frau » von der Philosophin Svenja Flaßpöhler hat das deutsche feministische Milieu etwas aufgewirbelt und viel Kritik auf sich gezogen. In ihrem Essay, wirft sie der #Metoobewegung vor, patriarchale Denkmuster zu wiederholen, die die Frauen infantilisieren. Ähnlich früherer Denker wie Rousseau, Freud oder Lacan, schreibe #Metoo aus ihrer Sicht den Frauen « eine rein passive Rolle » zu, man erfahre « gar nichts über das weibliche Begehren ». Auch wenn...
15. Mai 2018
Die Leihmutterschaft scheint eines der wenigen Themen zu sein, in dem in Deutschland politische Einigkeit herrscht: Von allen Parteien, vom rechten bis zum linken Spektrum, wird sie dämonisiert. Trägt eine Frau für eine andere Frau ein Kind aus, ist das entweder Symptom unserer dekadenten individualistischen Gesellschaft und Gefahr für die klassische Familie oder eine Kolonialisierung und Ausbeutungsform des weiblichen Körpers. Die angst- und tabubesetzte Debatte wird von Skandalfällen...
11. April 2018
Neulich zeigte sich Angela Merkel ungewöhnlich leidenschaftlich und intensiv. Für ihre erste Regierungserklärung am 21. März seit der neuen Regierungsbildung überraschte sie viele politische Kommentatoren, die sich anschließend sehr positiv über die Zukunft der neuen Koalition äußerten. Zuvor, in den letzten Monaten hatten sie lieber in apokalyptischen Szenarien ("Merkels Dämmerung", "Merkel ist am Ende") geschrieben. Nun ist sie für weitere vier Jahre da und wenn nichts dazwischen...

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