Whitney Wolfe Herd

Die Bienenkönigin des Dating

© Stuart Isett/Fortune by Flickr
© Stuart Isett/Fortune by Flickr

Oft stellen Niederlagen eine wichtige Etappe in der Entdeckung der eigenen Potenz dar. Whitney Wolfe Herd ist gestürzt und heute wieder ganz oben. Die 28-jährige Frau, die als Comeback Kid der Dating-Welt gilt, hat vor drei Jahren Bumble, eine Dating-App eines neuen Genres gegründet, bei dem die Frauen das Sagen haben. So wie bei Tinder können sich die Nutzer Profile von anderen anschauen. Aber nur die Frauen können die Männer ansprechen. Sie will damit eine der gesellschaftlichen Normen ändern, die laut ihr von Kindesalter an einprogrammiert würde, nämlich dass die Männer aktiv und dominant sein sollen während die Frauen passiv und nett bleiben. Es geht also um weibliches Empowerment im Reich der Verführung. Auf Bumble findet man keine Männer mit nackten Oberkörper, die Gründerin, die letzten März bei der Digitalkonferenz SXSW in Austin auftrat, hat solche Bilder von der Plattform verbannt. Außerdem sind 85 % der Mitarbeiter Frauen, eine Seltenheit in der Tech-Welt. Ihr Modell scheint zu funktionieren denn schon heute hat Bumble 26 Millionen Nutzer, Tendenz steigend. Dieser Erfolg ließ den großen Rival Tinder, die weltgrößte Kuppel-Maschine per App, nicht kalt. Er kündigte eine Einstellung an, die den Frauen ermöglicht, Männer zuerst anzusprechen. Vor diesem Erfolg war sie im Mittelpunkt eines Skandals um Tinder. Whitney Wolfe Herd war bei Tinder von Anfang an dabei. Sie lernte die drei Gründer kennen, noch bevor es die Idee zu der Dating-App gab. 2012 startete Tinder, sie erfand den Namen und wurde Marketingchefin. Der Erfolg kam sofort. Sie geriet in Schwierigkeiten nachdem sie eine kurze Affäre mit einem der Gründer hatte. Sie zeigte ihn wegen sexueller Belästigung an, die Auseinandersetzung mit ihm und manche SMS wurden öffentlich gemacht. Sie einigten sich außergerichtlich, 2014 verließ Wolfe Herd verzweifelt das Unternehmen. Die junge Frau ist in Salt Lake City, aufgewachsen. Sie war ganz früh ein Unternehmertalent, gründete noch im Gymnasium einen Verein und eine Kleidungsmarke, dann reiste sie durch Asien. Als sie Tinder verließ, wollte sie endgültig mit dem Datinggeschäft aufhören. Heute wird sie als « Bienenkönigin des Dating » genannt, Bumble heißt ja auf deutsch « summen ». Ihr Reich wird sicher weiter wachsen.

Marielle Franco

Die Vorkämpferin der Favela wurde ermordet

©Mídia Ninja by Flickr
©Mídia Ninja by Flickr

Sie nahm kein Blatt vor den Mund und musste wahrscheinlich dafür sterben. Marielle Franco, 38-jährige Stadträtin der Partei für Sozialismus und Freiheit (PSOL) in Rio de Janeiro wurde am 14. März mit vier Kopfschüssen im Zentrum der brasilianischen Metropole  ermordet. Für die vielen Menschen, die sie jetzt vermissen, verkörperte sie die Hoffnung einer neuen Linken, einer anderen Politik und einer gerechteren, toleranteren brasilianischen Gesellschaft. Allein mit ihrer Biografie setzte diese charismatische Frau andere Maßstäbe: Afrobrasilianerin, homosexuell, alleinerziehende Mutter. Obwohl sie in der Favela Maré aufgewachsen war, einem dieser Elendsviertel im Norden von Rio, schaffte sie den Schulabschluss, studierte Soziologie. Zur Aktivistin wurde Marielle Franco, nachdem jemand aus ihrem Freundeskreis bei Kämpfen zwischen Polizei und Gangs von einer verirrten Kugel getötet worden war. 2016 wurde sie zur Stadträtin gewählt. Marielle Franco war nah an ihren Wählern und beteiligte sich an Diskussionen mit örtlichen Gruppen und Kollektiven. Mutig prangerte sie kriminelles Handeln von Polizisten in den Favelas von Rio an und machte sie für den Tod von hunderten von Favelabewohner jedes Jahr verantwortlich. Marielle Franco hatte auch die Militärintervention kritisiert, die letzten Februar von der brasilianischen Regierung angeordnet wurde, um die Krise der öffentlichen Sicherheit im Bundesstaat Rio de Janeiro zu begegnen. Nun ist ihre Stimme für immer erloschen. Aber ihr brutaler Tod hat sie innerhalb von paar Tagen international bekannt gemacht. Künstler und Prominente aus aller Welt haben sich mit den Trauernden in Rio de Janeiro solidarisiert und Gerechtigkeit und Aufklärung gefordert. Für ihre Anhänger bleibt Marielle Franco für immer "presente" (anwesend).

Marichuy

Die indigene Präsidentschaftskandidatin kann nicht antreten

© Adriàn Martìnez/Flickr
© Adriàn Martìnez/Flickr

"Stell dir vor, wir hätten eine indigene Präsidentin". Diese Frage haben sich viele Mexikanerinnen und Mexikaner in den letzten Monaten gestellt. Seitdem Maria de Jesus Patricio Martinez, genannt Marichuy als unabhängige Kandidatin im Mai 2017 von dem Nationalen Rat der Indigenen (CNI) für die nächste Präsidentswahl im Juli designiert wurde, war das Land im Aufruhr. Viele Intellektuelle wie der Schriftsteller Juan Villoro und Feministinnen unterstützten ihre Kandidatur. Nach ihrer offiziellen Registrierung letzten Oktober bei der Wahlbehörde, reiste die 54-Jährige quer durchs Land, besuchte sowohl abgelegene Dörfer als auch große Städte. Der Traum ihrer Anhänger nach weniger Korruption, weniger Armut und Ungleichheit zerplatzte nun. Marichuy erreichte am 19 Februar mit nur 267.115 Unterschriften lediglich 30,8 Prozent der für eine Zulassung notwendigen 866.593 Unterstützungserklärungen aus mindestens 17 der 32 Bundesstaaten. Diese bescheidene Frau, die sich lieber als Sprecherin des CNI beschreibt, war in vierlerlei Hinsicht eine ungewöhnliche Kandidatin. Allein von ihrer Herkunft: sie wuchs in einer armen Bauernfamilie mit elf Kindern in der Kleinstadt Tuxpàn im zentralmexikanischen Bundesstaat Jalisco auf, wo sie noch heute mit ihrem Mann lebt. Als kleines Mädchen musste sie Kürbiskerne verkaufen, damit alle genug zu essen hatten. In ihre Heimatstadt, betreibt sie ein kleines Gesundheitszentrum, wo sie Patienten nach indigener Tradition mit Naturheilpflanzen behandelt. Als Kandidatin brach sie mit vielen üblichen codes: ohne Make-up, in traditioneller Tracht, redete sie leise und konzentriert, polemisierte nicht oder hielt nicht unendliche Versprechen, hörte am liebsten ihre GesprächpartnerInnen zu. Sie hatte kein Programm und sagte, dass, für sie das Ziel nicht ihre Wahl war, sondern die Interessen der indigenen Bevölkerung in der Öffentlichkeit zu bringen. Seit 30 Jahren kämpft sie für die Rechte der Indigenen, die 12 % der mexikanischen Bevölkerung ausmachen. Bei Veranstaltungen thematisierte sie auch Frauenmorde, häusliche Gewalt und Sexismus. "Die Zeit der Frauen sei gekommen", rief sie ihrem Publikum zu. Und die Zeit der indigenen und aller anderer Minderheiten. "Nunca massive un México sin nostros". "Viva Marichuy" möchte man rufen. Man wird sicher noch in der Zukunft von dieser Frau hören.