Monstruation

Von Marieke Zapasnik

© Marieke Zapasnik
© Marieke Zapasnik

Ihre Bilder sind Alltagsdokumente und politische Botschaft zugleich. Mit dieser Arbeit wollte sie die Scham, ihre eigene Scham beenden. Bis heute wird die Menstruation im kollektiven Unbewussten mit dem Gedanken der Unreinheit verbunden. Die britisch-schweizerische Fotografin Marieke Zapasnik wollte mit diesen Bildern « nicht schockieren (…), sondern dieses Tabu aufheben und einen Raum für Diskussion und Reflexion anbieten » und hat somit beschlossen, eine Serie mit ihrem eigenen Regelblut zu machen. Denn dieses natürliche und eigentlich banale Phänomen birgt unterschiedliche Reaktionen und Erlebnisse: schmerzliche Bauchkrämpfe, fröhliche, kreative, stürmische oder völlig niedergeschlagene Stimmung. Marieke Zapasnik hat Fotografie in Paris studiert und hat das Fotografenkollektiv Red or Reveal mitbegründet, mit dem sie Ausstellungen und Veranstaltungen an alternativen Orten organisiert. Das Medium Fotografie hat sie schon als Kind fasziniert, aber erst im Alter von 20 bekam sie zum ersten Mal eine Kamera. In ihrer Arbeit interessiert sich die in Paris lebende Fotografin besonders für Frauen und Weiblichkeit. Zu diesem Thema sind bereits zwei Serien von ihr entstanden: Monstruation und Fem.

Divines

Von Catherine Cabrol

© Catherine Cabrol
© Catherine Cabrol

Es sind lebendige, mächtige und zugleich schöne Körperbilder. Die französische Fotografin Catherine Cabrol hat Sportlerinnen aus verschiedenen Disziplinen,- Judo, Fußball, Leichtathletik, Fechten, Schwimmen -, fotografiert und daraus mit der Autorin Sandrine Retailleau ein Buch mit dem Titel Divines (deutsch Die Göttlichen) im Jahr 2012 veröffentlicht. « Ich fand, dass professionnelle Sportlerinnen oft schlecht fotografiert werden, entweder zu sexy oder zu vulgär » erinnert sich Catherine Cabrol. In diesem Buch, wollte sie diese « spezifische Schönheit in Verbindung mit einem bestimmten Talent » betonen. Seit 2003 und dem Tod der Schauspielerin Marie Trintignant, die sie persönlich kannte, setzt die Regisseurin und Fotografin einen Fokus auf Frauen. Dabei möchte sie nicht ihre Fragilität unterstreichen. « Frauen sind stark », sagt Catherine Cabrol. Ihre Frauenbilder sehen tatsächlich so aus und beweisen meisterhaft, dass Muskeln keinen Gegensatz zu Weiblichkeit bedeuten müssen.

© Catherine Cabrol
© Catherine Cabrol

Origines

Von Vanda Spengler

© Vanda Spengler
© Vanda Spengler

Die nackte Haut ist die Grundmaterie, mit der sie arbeitet. Die französische Fotografin Vanda Spengler, Jahrgang 1982, ist in einer sehr offenen, künstlerischen Familie aufgewachsen, in der das Nacktsein normal war, in der das Verhältnis zum Körper tabufrei war, was in Frankreich nicht unbedingt üblich ist. Mit ihrer Serie Origines fing sie Anfang der 2000er Jahre an. Viele Bilder entstanden in isländischen Landschaften, wo die Natur « wieder die Oberhand zurückbekommt ». Den Begriff « primitiv » benutzt sie oft, wenn sie von diesen Bildern erzählt. Am Anfang ihrer Fotografie befasste sie sich viel mit Autoportrait. Heute versucht sie die Körper der Anderen, möglichst in einem Rohzustand einzufangen. « Ich möchte Licht auf die Vielfältigkeit der Körper werfen », sagt die junge Frau. Und in der Tat, die Kategorien Mann/Frau, scheinen sich in ihren Bildern aufzulösen. Es sind einfach nur unterschiedliche Figuren, die die Bühne betreten.

Voiles & dévoilements

Von Angèle Etoundi Essamba

© Angèle Etoundi Essamba
© Angèle Etoundi Essamba

Es ist ein Ballett von Farben, Texturen, Konturen, die je nach dem, das Gesicht, die Haare oder die Extremitäten unterstreichen: Bilder von verhüllten Frauen aus Sansibar, Senegal, Kamerun oder Ghana. In dieser Fotoserie aus dem Jahr 2008 wollte Angèle Etoundi Essamba, deren Arbeit meistens die Frage der Identität der afrikanischen Frau untersucht, die Vielfalt und den Spielraum, die Frauen mit Kopftüchern geniessen können, zeigen. Für die Fotografin aus Kamerun, die gern mit schwarz-weiss arbeitet, war dies die erste Arbeit mit Farbe. Diese Strecke entstand während einer Reise nach Sansibar. Als sie auf diese Insel kam, wurde sie von der Schönheit der verhüllten Frauen verzaubert : "Solche bunten ästhetischen Kopftücher, die gleichzeitig durchsichtig und fließend sind, hatte ich noch nie gesehen. Diese Frauen spielen mit den Stoffen, sie bedecken sich viel an einem Tag, dann weniger oder anders am nächsten Tag und das auf eine sehr individuelle Art. Sie zeigen einen Umgang mit dem Kopftuch, das viele Vorurteile sprengt." Genauso wie die "Nacktheit kein Versprechen für Freiheit" ist, ist das "Kopftuch nicht immer einen Symbol von Unfreiheit". Im Gegenteil, manchmal wirkt es sogar wie eine Ode der weiblichen Schönheit.

©Angèle Etoundi Essamba
©Angèle Etoundi Essamba
© Angèle Etoundi Essamba
© Angèle Etoundi Essamba

A fluent transformation

Von Julia Grossi

©JULIA GROSSI PHOTOGRAPHY
©JULIA GROSSI PHOTOGRAPHY

Wo beginnt Weiblichkeit? Wo endet Männlichkeit? Die Trennung zwischen den Geschlechtern ist heute nicht mehr so klar zu erkennen wie früher. Trotzdem bleibt die Diskussion über die eigene Körperinszenierung kontrovers. Die Fotografin Julia Grossi ist der Frage der ästhetischen Sinnlichkeit unabhängig vom Geschlecht nachgegangen. So entstand die Fotoserie Maskuline Feminity/Feminine Masculinity. A fluent transformation. Diese Strecke, die in der italienischen Vogue veröffentlicht wurde, stellt Models vor, die mit weiblichen wie männlichen Körperhaltungen und Kleidungsarten spielen. 

Die Fotografin lebt mit ihrer Familie in Berlin. Ihre Arbeiten werden in Magazinen wie GQ Portugal, Vogue Italia online, Sleek und Glamour veröffentlicht. 

CREDITS TEAM

Photography: Julia Grossi

Styling: Sonja Kreuzburg

Makeup & Hair: Helena Narra / liganord using YSL & Bumble&Bumble 

Casting: Lou Renard

Models: Eliza / Miha Modelmanagement,

Caroline & Belail / let it go mgmt, Alex / Izaio Management 

Staring

von Sara Medghalchi

© Sara Medghalchi
© Sara Medghalchi

« Ich habe mich selber im Spiegel angeschaut und war überrascht, was er sah und was ich selber nicht sah », schreibt die iranische Fotografin Sara Medghalchi. Obwohl Spiegelbildern sie immer sehr anzogen, dachte sie nie an ihr eigenes Spiegelbild. Die Arbeit von Vivian Maier (1926-2009), eine amerikanische Amateurfotografin, deren Werk erst seit einigen Jahren bekannt wurde, hat sie für diese Serie inspiriert. « Es gibt zwei Seiten in dieser Geschichte: Mich selbst in dem Spiegel fangen ist wie ein Moment der Wahrheit, ein zögerlicher Moment, in dem ich einen tiefen Blick in mich selbst werfen kann. Und später wenn ich diese Bilder sehe, werde ich über mich nachdenken, der Moment und die Geschichte, die ich gemacht habe », erklärt die selbstgelernte Fotografin. Für den Außenbetrachter ist diese Bildstrecke der Fotografin aus Teheran besonders spannend: es ist nicht nur eine Frau, die sich im Spiegel anschaut, es ist auch eine Frau, die stets in der Öffentlichkeit ihre Haare bedecken muss. Neben Fotografie, gehört auch das Schreiben -sie hat englische Literatur studiert- zu ihrer großen Leidenschaft. Die Arbeit von Sara Medghalchi, Jahrgang 1987, wurde in einigen Gruppenausstellungen gezeigt: im Jahr 2015 in der Shirin Gallery in Teheran und im Frühjahr 2018 im Atelier Natalia Gromicho in Lissabon. 

© Sara Medghalchi
© Sara Medghalchi
© Sara Medghalchi
© Sara Medghalchi
© Sara Medghalchi
© Sara Medghalchi

Metamorphosis

von Conny Kirste

© Conny Kirste
© Conny Kirste

Die Suche der eigenen Freiheit, des unberührten Kerns jeder Person begleitet stets die Arbeit der Berliner Fotografin Conny Kirste. In einer Welt, die sich drastisch verändert, werden unsere Sehnsüchte, Ängste und Sexualität neu geformt. "Die Serie Metamorphosis ist ein Diskurs über diesen Kern, über Identität und die Rückkehr zu den essentiellen Werten" in einer Zeit, die von Flexibilisierung, Selbstoptimierungswahn, Konsumsucht, Narzissmus geprägt wird. "Die Metamorphose handelt vom Unbegreiflichen, dem Moment der Transformation, hinweg von jeglicher Einordnung in Kategorien" schreibt sie über dieses Projekt. Obwohl Conny Kirste, Jahrgang 1984, das Fotografieren seit der Kindheit liebt, hatte sie nie geplant dieses Hobby zum Beruf zu machen. "Es war ein natürlicher Prozess" erklärt die selbstgelernte Fotografin. Eine Metamorphose.


© Conny Kirste
© Conny Kirste

I translucent

von Cihan Cakmak

© Cihan Cakmak
© Cihan Cakmak
Über diese Fotoserie sagt Cihan Cakmak, daß man sie selbst drin sehen kann. Es ist eine Art Selbstreflexion durch andere Menschen, über die Frage eines selbstbestimmten Lebens in bestimmten Kultur-und Religionskreisen. "Man wird in ein Milieu und in eine Gesellschaft hineingeboren, ohne es sich selbst ausgesucht zu haben. (...) Kann es für das Individuum, eine Befreiung aus den durch die Geburt vorgegeben Strukturen, sei es Geschlechtszuordnung, Familie, Religion und Gesellschaft, geben?" schreibt sie in ihrer Abschlussarbeit ihres Studienganges Fotografie. Die 25 Jährige Fotografin stammt aus einer konservativen kurdischen Familie, die nach Deutschland im Jahr 1992 gekommen ist. Die Hierarchien, die dort herrschten und die vielen Verbote für Frauen, brachten sie dazu, den Kontakt mit ihrer Familie zu brechen. Nach dem Abitur im Jahr 2013 wurde sie an der Fachhochschule Dortmund zum Studiengang Fotografie zugelassen, und ist seitdem sehr viel gereist. Sie bekam ein Stipendium der Friedrich Ebert Stiftung, hatte eine kurze Artist Residenz in Marrakesch und verbrachte ein Erasmus-Semester in Lissabon. Aus diesem letzten Aufenthalt und vielen persönlichen Begegnungen ist eine Ausstellung mit dem Namen "Saudade", was auf Portugiesisch Sehnsucht heißt, entstanden. Ihre Bilder kann man in der Mute Art Gallery in Lissabon bis zum 29 März sehen.
© Cihan Cakmak
© Cihan Cakmak
© Cihan Cakmak
© Cihan Cakmak