Ein Blick auf Frauen in aller Welt


10. Februar 2020

DEUTSCHLAND

Eine Frau an der Spitze der Städelschule

Zum ersten Mal wurde eine Frau zur Rektorin der Frankfurter Städelschule gewählt. Die US-Amerikanerin Yasmil Raymond, Jahrgang 1977, war zuletzt als Kuratorin in New York tätig und hatte sich zuvor bereits am Museum of Contemporary Art in Chicago sowie am Walker Art Center in Minneapolis einen Namen gemacht. Ab April 2020 soll sie die Nachfolge des Belgiers Philippe Pirotte antreten. Die hessische Wissenschafts- und Kunstministerin Angela Dorn (Die Grünen) freute sich darüber, wie sie am 7.2.2020 erklärte, dass zum ersten Mal in der 200-jährigen Geschichte der Städelschule eine Frau an ihrer Spitze stehen werde.

METOO

Weinsteins Prozess – Bald ein Urteil?

Ein Ende des Verfahrens um sexuellen Missbrauch und Vergewaltigung durch den US-Filmmogul Harvey Weinstein ist absehbar. Am 6.2.20 hat die Staatsanwaltschaft die Zeugenbefragung abgeschlossen. Seit 2017 haben mehr als 80 Frauen dem 62-jährigen ehemaligen Produzenten Weinstein sexuelle Übergriffe vorgeworfen und damit die international bekannt gewordene #MeToo-Bewegung ausgelöst. Seine Verteidigerin Donna Rotunna versuchte in den letzten Wochen mit aggressiven Befragungen, die Zeuginnen unglaubwürdig scheinen zu lassen.

GRIECHENLAND

Erste Frau wird Präsidentin

Das griechische Parlament hat am 22.1.2020 mit Ekaterini Sakellaropoulo erstmalig eine Frau zur Präsidentin des Landes gewählt. Viele Stimmen bekam die 63-jährige Juristin, die bisher nicht politisch aktiv war, aus fast allen Lagern. Nach der Verkündung des Ergebnisses gab es langen Beifall. Premierminister Kyriakos Mitsotakis erklärte: „Die Demokratie ist weiblich.“

BRASILIEN

Auftragskiller von Marielle Franco tot

Die brasilianische Polizei hat am 9.2.2020 Adriano da Nóbrega erschossen, einen vermeintlichen Auftragskiller, der in den Mord an der Menschenrechtsaktivistin Marielle Franco verwickelt gewesen sein soll. Manche vermuten, Nóbrega – ein ehemaliges Mitglied einer Militär-Spezialeinheit mit engen Beziehungen zum rechtskonservativen Präsidenten Jair Bolsonaro – sei ein wichtiger Schlüssel zur Lösung des Mordfalls gewesen. „Wer profitiert von seinem Tod?“, fragte Marielle Francos Witwe Monica Benicio. Auch andere Weggefährten und Freunde des Opfers vermuten dahinter einen Vertuschungsversuch. Franco, geboren 1979, war Mitglied der Partei Sozialismus und Freiheit und Präsidentin des Frauenausschusses im Kommunalparlament. Sie wurde am 14.3.2018 mit vier Kopfschüssen ermordet aufgefunden. Als lesbische Afrobrasilianerin galt Marielle Franco als Exotin in der brasilianischen Politik.

CHINA

Geburtsrate auf tiefstem Stand seit 1949

Seit Gründung der Volksrepublik 1949 ist die Geburtenrate in China auf dem tiefsten Stand. Dies verkündete am 17.1.2020 das nationale Statistikbüro des Landes. Im Vorjahr lag die Quote bei 10,48 Geburten pro 1.000 Menschen. Insgesamt kamen 14,6 Millionen Babys zur Welt und damit 500.000 weniger als 2018. Nach der chinesischen Ein-Kind-Politik, die von 1980 bis 2015 gegolten hat, bemühte sich die Führung des Landes für mehr Kinder zu werben. Doch hohe Ausbildungskosten sowie ein insgesamt ein höherer Lebensstandard führen dazu, dass viele Familien auf ein zweites Kind verzichten.

TUNESIEN

Trauer um Bloggerin Lina Ben Mhenni

Die tunesische Bloggerin und Aktivistin des Arabischen Frühlings Lina Ben Mhenni, Jahrgang 1983, ist am 27.1.2020 in Folge einer längeren Erkrankung verstorben. Tunesien verabschiedete sich mit einem Staatsbegräbnis. Bereits 2005 versagten ihre beiden Nieren, woraufhin ihre Mutter ihr eine Niere spendete. Ben Mhenni bloggte – als eine der ersten überhaupt auf Englisch – bereits vor dem politischen Umbruch in ihrer Heimat und setzte sich trotz Repressionen für Meinungsfreiheit ein. Mit ihrem Blog „A Tunisian Girl“ erlangte sie 2010/2011 auch international Bekanntheit.

LITERATUR

Alexijewitsch gründet ein Verlag für Frauen

Wie im Januar 2020 bekannt wurde, plant die weißrussische Schriftstellerin Swetlana Alexijewitsch in den nächsten Monaten die Gründung eines Verlags, der ausschließlich Literatur von Frauen veröffentlicht. Dazu erklärte sie: „Männer sind überall, Werke von Frauen werden dagegen selten publiziert.“ Alexijewitsch, Jahrgang 1948, erhielt für ihr Werk 2015 den Literaturnobelpreis. Sie greift immer wieder in politische Debatten ein und kritisiert die repressive Politik in ihrer Heimat Weißrussland, aber auch in Putins Russland.


29. Oktober 2019

FRANKREICH

Künstliche Befruchtung für alle Frauen

In Frankreich soll künstliche Befruchtung zukünftig für alle Frauen erlaubt sein – auch für Singles und Lesben. Dieser Schritt ist Teil eines neues Bioethik-Gesetzes, das die Nationalversammlung am 15. Oktober mit großer Mehrheit angenommen hat und das Anfang nächsten Jahres noch im Senat geprüft werden muss. Bisher dürfen nur heterosexuelle Paare von diesem medizinischen Eingriff Gebrauch machen. Während die französische Gesundheitsministerin Agnès Buzyn die Abstimmung als Erfolg bezeichnete, kritisierten Konservative, darunter rechte und religiöse Gruppierungen, die Entscheidung. 

VEREINIGTES KÖNIGREICH

Kommt bald ein Menopause-Urlaub?

 

Sollte die Menopause wie eine Schwangerschaft oder gar eine Krankheit behandelt werden? Zwei britische Abgeordnete – die eine Labour-Mitglied, die andere aus der konservativen Tory-Partei – plädieren laut der Tageszeitung The Guardian genau dafür. Ein entsprechender Gesetzesentwurf, der es Frauen ermöglicht, ihren Arbeitsrythmus ihren hormonellen Veränderungen anzupassen, soll bald dem Parlament vorgelegt werden. Die linksliberale Zeitung führte an, dass 80 % der Frauen während ihrer Menopause an diversen Symptomen leiden, etwa an Angstzuständen oder Depressionen. Der Sender Channel 4 hatte bereits Mitte Oktober angekündigt, diverse Maßnahmen ergreifen zu wollen, um Frauen in der Menopause flexiblere Arbeitszeiten und ruhigere Arbeitsräume zu gewährleisten.

SYRIEN

Kurdische Politikerin getötet

 

Laut Berichten der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte haben von der Türkei unterstütze Kämpfer beim Einmarsch in die von Kurden kontrollierten Gebiete in Nordsyrien am 12. Oktober neun Zivilisten exekutiert, darunter die kurdische Politikerin und Frauenrechtlerin Hevrin Khalal. Die Nachrichtenagentur ANP hat die Verantwortung der erwähnten Gruppen für die Ermordung nicht bestätigt. Khalal galt als Politikerin mit großem diplomatischem Gespür, die eine Aussöhnung über religiöse Grenzen hinweg anstrebte und sich insbesondere für die Rechte der Frauen in der Region einsetzte. 

IRAN

Frauen dürfen ins Stadion

Im Iran dürfen Frauen seit Oktober zu Länderspielen ins Stadion. Dieser Entscheidung ging die Selbstverbrennung einer jungen Iranerin im März 2019 voraus, die weltweit für Entsetzen gesorgt hatte: Sahar Khodayari wurde, nach dem Versuch in ein Stadion zu gelangen, festgenommen. Nach der folgenden Gerichtsverhandlung zündete sich die 29-Jährige selbst an und erlag ihren Verletzungen. Auch die Fifa hatte zuletzt nach jahrelangem Schweigen den Druck auf den Iran erhöht und verlangt, dass das seit 40 Jahren geltende Stadionverbot für Frauen aufgehoben werde. 

POLEN

Olga Tokarczuk erhält den Literaturnobelpreis

 

Die polnische Autorin Olga Tokarczuk erhielt neben Peter Handke am 10. Oktober den Literaturnobelpreis. Der 57-Jährigen wird die Auszeichnung nachträglich für 2018 verliehen, da der Preis aufgrund von Skandalen um sexuellen Missbrauch im letzten Jahr nicht vergeben worden war. Dotiert ist die Medaille mit neun Millionen schwedischen Kronen, rund 830.000 Euro. Die Jury lobte Tokarczuk für ihre „erzählerische Vorstellungskraft, die mit enzyklopädischer Leidenschaft das Überschreiten von Grenzen als Lebensform“ darstelle. In ihrer Heimat sind Olgas Tokarczuks Romane schon lange erfolgreich, sie gehört zu den profiliertesten zeitgenössischen Autorinnen des Landes. Ihre wiederholte Kritik an der demokratiefeindlichen Politik der regierenden PiS-Partei hat der Schriftstellerin bei Konservativen den Vorwurf des Verrats an der Heimat eingebracht. 

USA

Erster rein weiblicher Außeneinsatz auf der ISS

Zum ersten Mal haben laut Nasa zwei Astronautinnen ohne männliche Begleitung einen Außeneinsatz an der Internationalen Weltraumstation ISS durchgeführt. Die US-Amerikanerinnen, Elektroingenieurin Christina Koch und Biologin Jessica Meier, reparierten am 18. Oktober einen Stromregler an der Außenwand der ISS. Schon im März sollte der erste rein weibliche Außeneinsatz stattfinden, scheiterte jedoch daran, dass es nicht genug passende Weltraumanzüge für Frauen gab. 

VATIKAN

Forderung nach Frauenstimmrecht

Eine Gruppe von Bischöfen hat sich bei der Amazonas-Synodedafür ausgesprochen, den 35 teilnehmenden Frauen das Stimmrecht zu erteilen, so das spanische Nachrichtenportal „Religión Digital“ am 7. Oktober. Ein entsprechender Antrag wurde beim Generalsekretär der Bischofssynode, Kardinal Lorenzo Baldisseri, gestellt. Baldisseri werde den Antrag dem Papst vorlegen, damit dieser über die Änderung entscheide. Die spanische Ordensfrau María Luisa Berzosa erklärte dazu, dass es „weder kanonische noch theologische Vorbehalte“ gegen ein Stimmrecht für Frauen bei Bischofssynoden gebe. Im Vorfeld der Amazonas-Synode hatte sich auch die internationale Initiative „Voices of Faith“ (Stimmen des Glaubens) für ein Stimmrecht von Ordensfrauen ausgesprochen. Irene Gassmann, Priorin des Schweizer Benediktinerinnenklosters Fahr, hatte erst kürzlich beklagt, dass in der vergangenen Woche beklagt, dass „in den vergangenen Monaten diesbezüglich leider nichts geschehen" sei.

SCHWEDEN

Erste Frau an der Spitze der Akademie gestorben

Sara Danius, ehemalige Vorsitzende der Schwedischen Akademie, ist am 12. Oktober im Alter von 57 Jahren gestorben. Danius hatte bereits 2014 ihre Brustkrebserkrankung öffentlich gemacht. Die Literaturwissenschaftlerin verkündete von 2015-2017 als Ständige Sekretärin die Namen der Literaturnobelpreisträger. Sie war die erste Frau, die innerhalb der 1786 gegründeten Institution, diese Position innehatte. Nachdem ein Skandal um sexuellen Missbrauch die Akademie im Jahr 2018 erschüttert hatte, trat Sara Danius zurück. Der Literaturnobelpreis wurde daraufhin im letzten Jahr nicht vergeben. Noch im März dieses Jahres kritisierte sie die Entscheidung, 2019 auch die Verleihung für das Vorjahr nachzuholen. „Aus Respekt vor den Frauen, die Opfer des Mannes im Zentrum des Skandals bei der Akademie geworden seien, hätte man sich entschließen sollen, für das Jahr 2018 auch nachträglich keinen Preis zu vergeben“, beklagte sie. „So hätte man in Erinnerung behalten können, dass tatsächlich etwas passiert ist.“

WESTJORDANLAND

Strafe für Ehrenmord

Nach dem Tod der 21-jährigen Israa Ghrayeb aus Betlehem wurden am 12. September drei ihrer männlichen Angehörigen wegen Mordes angeklagt. Die Kosmetikerin und Studentin wurde offensichtlich wegen ihrer Beziehung zu einem Mann Opfer eines Ehrenmordes durch ihren Bruder und ihren Vater. Sie war bereits im August gefoltert und so brutal geschlagen worden, dass sie sich auf den Balkon der Familienwohnung flüchtete, von wo sie herabstürzte und sich schwer an der Wirbelsäule verletzte. Selbst im Krankenhaus soll die junge Frau weiterhin misshandelt worden sein, bis sie kurze Zeit später starb. Ihre Schuld: die Veröffentlichung eines Fotos in den sozialen Medien, auf dem sie vor der offiziellen Verlobung mit ihrem Freund abgebildet war – für Bruder, Vater und Cousins, die  an ihrem Tod schuld seien, ein Verstoß gegen die Familienehre. Ghrayebs Tod hatte für Wut und Empörung in vielen arabischen Ländern, aber auch darüber hinaus geführt. In den palästinensischen Gebieten gingen Hunderte gegen Gewalt an Frauen auf die Straßen. 


31. August 2019

IRAN

Stadionverbot für Frauen aufgehoben

Nach Druck der Fifa und 40 Jahren Stadionverbot dürfen iranische Frauen bei den WM-Qualifikationsspielen der Fußball-Nationalmannschaft auf der Tribüne Platz nehmen. Dies verkündete der iranische Vizesportminister Dschamschid Taghisadeh am 25.8. Zuvor war es nur wenigen, ausgewählten Frauen erlaubt, ein Stadion zu betreten, wenn die Männer spielten. Die Frauen dürfen nun am 10.Oktober beim Qualifikationsspiel gegen Kambodscha dabei sein. Die Fifa hatte zuvor gedroht, das Land für die WM 2022 in Katar zu disqualifizieren, sollte es Frauen den Zugang zu den Spielen weiterhin verwehren. 

EL SALVADOR

Frau nach Vergewaltigung und Fehlgeburt freigesprochen

In El Salvador wurde am 19.8. in einem aufsehenerregenden Prozess die 21-jährige Evelyn Hernández nach fast dreijähriger Haft freigesprochen. Die junge Frau wurde nach einer Vergewaltigung schwanger und verlor das ungeborene Kind, von dem sie nichts ahnte, nach einer Fehlgeburt im Jahr 2016. Daraufhin wurde sie einer angeblichen Abtreibung beschuldigt, die im streng katholischen El Salvador einem Mord gleichkommt und mit drakonischen Strafen belegt wird. Nachdem Hernández im Juli 2017 zu 30 Jahren Haft verurteilt wurde, sprach sie das Gericht in einem neuen Verfahren nun aus Mangel an Beweisen frei. 

MEXIKO

Vergewaltigungsvorwürfe auf Polizisten

Nach heftigen Protesten wurden am 14.8. in Mexiko sechs Polizisten vom Dienst suspendiert. Auslöser war die Vergewaltigung von zwei minderjährigen Mädchen. Eine 17-Jährige, die Anfang August vier Polizisten wegen Vergewaltigung angezeigt hatte, zog aus Angst ihre Anzeige zurück. Sie und ihre Familie waren bedroht worden und Beweismaterial war zudem verschwunden. Mexiko ist immer wieder wegen Gewalt an Frauen in den Schlagzeilen. Aktuell werden im Land jeden Monat 270 Femizide registriert. Jedes Jahr werden mehr als 11.000 Mädchen zwischen zehn und 14 Jahren schwanger, nachdem sie sexualisierte Gewalt erfahren haben.  

BRASILIEN

Protestmarsch der Frauen

In der brasilianischen Hauptstadt Brasília sind am 14.8. Zehntausende Frauen gegen die Politik des ultrarechten Staatspräsidenten Jair Bolsonaro auf die Straßen gegangen. Laut Organisatorinnen kamen rund 100.000 Frauen zum sogenannten „Marsch der Margeriten“. Sie forderten ein Ende der Gewalt gegen Frauen sowie bessere Lebensbedingungen für die Bevölkerung auf dem Land. Der Marsch findet seit 2000 alle vier Jahre zum Gedenken an die Landarbeitergewerkschafterin Margarida Maria Alves statt. Die Aktivistin fiel 1983 einem Auftragsmord zum Opfer. 

SAUDI-ARABIEN

Frauen dürfen ohne Erlaubnis des Mannes reisen

Frauen in Saudi-Arabien sollen gemäß eines am 2.8. veröffentlichten Dekrets zukünftig ohne Zustimmung eines männlichen Verwandten reisen dürfen. König Salman und sein Kabinett genehmigten dementsprechende Gesetzesänderungen, nach denen alle Staatsbürger und Staatsbürgerinnen ab 21 Jahren frei reisen und einen Pass beantragen dürfen. Bisher durften Frauen im ultrakonservativen Königreich nur mit Zustimmung eines männlichen Vormunds, sprich des Mannes, Vaters, Bruders oder eines anderen männlichen Verwandten reisen, studieren beziehungsweise bestimme Berufe ausüben. Darüber hinaus sollen Frauen in Zukunft auch bestimmte Behördengänge erlaubt werden, darunter das Recht, eine Hochzeit, Scheidung oder die Geburt eines Kindes eintragen zu lassen und somit offizielle Familiendokumente zu erhalten. 

BARCELONA

Frauen dürfen in Pools topless baden

In Kataloniens Hauptstadt dürfen Frauen jetzt in öffentlichen Schwimmbädern oben ohne baden. Nach Beschwerden von Frauen hat die Nicht-Diskriminierungs-Stelle der Stadt Barcelona Ende Juli alle öffentlichen Schwimmbäder aufgefordert, dementsprechende Verbote aufzuheben. Bisher hatten die verschiedenen Einrichtungen das Oben-Ohne-Baden unterschiedlich gehandhabt und somit manchmal erlaubt und manchmal nicht. Die neue Regelung soll der Diskriminierung von Frauen gegenüber Männern ein Ende setzen. 

RUSSLAND

LGTB Aktivistin ermordet aufgefunden

Die russische Menschenrechtsaktivistin Jelena Grigorjewa wurde in St. Petersburg am 21. Juli ermordet aufgefunden. Grigorjewa hatte sich für die Rechte von Homosexuellen, gegen die Diskriminierung von Minderheiten und die Ukraine-Politik der Regierung eingesetzt. Die 41-Jährige, die zuvor immer wieder Morddrohungen bekommen hatte, wurde mit mehreren Messerstichen am Körper in einem Gebüsch aufgefunden. Laut ihrer Anwältin blieb die Polizei trotz der gemeldeten Drohungen untätig. 


24. Juni 2019

SCHWEIZ

Streiktag für die Frauenrechte

Alle Schweizerinnen waren am 14.6.2019 ab 15.24 Uhr zu einem Streik unter dem Motto „Lohn. Zeit. Respekt“ aufgerufen. Der Zeitpunkt war nicht zufällig gewählt. Da Frauen, so der Ansatz der Organisatoren, im Durchschnitt 20 Prozent weniger verdienen, würden sie ab 15.24 Uhr quasi unbezahlt arbeiten. Gewerkschaften, Aktivistinnen und viele weitere Bündnisse forderten gleiche Rechte in allen gesellschaftlichen Bereichen, darunter gleiche Bezahlung. Ein Vorbild des kollektiven Streiks war ein ähnliches Vorgehen im Jahr 1991, als über eine halbe Million Frauen im Land demonstrierten und große Erfolge damit erzielten, wie etwa die Einführung einer Mutterschaftsurlaubsregelung und eines Gleichstellungsgesetzes. 

DEUTSCHLAND

Gericht verurteilt Frauenärztinnen

Ein Gericht hat am 14.Juni zwei Berliner Frauenärztinnen wegen des Verstoßes gegen das Werbeverbot für Abtreibungen (Paragraf 219a) verurteilt. Sie müssen jeweils 2.000 Euro Strafe zahlen. Die Medizinerinnen hatten auf ihrer Homepage erklärt, dass Schwangerschaftsabbrüche in geschützter Atmosphäre zu ihren Leistungen gehören. Unterstützer demonstrierten vor dem Gericht für die Ärztinnen und gegen den Paragrafen 219a. 

JAPAN

Petition gegen High-heel-Pflicht

Unter dem Hashtag #KuToo – ein Wortspiel aus dem Wort „Kutsu“ (Schuh) und „Kutsuu“ (Schmerz) und eine Anspielung auf die #MeToo-Bewegung – haben sich Japanerinnen in einer Online-Kampagne zusammengeschlossen, um gegen die Tragepflicht von hohen Absätzen am Arbeitsplatz zu protestieren. Diese sei laut Aktivistinnen nicht nur ein Symbol für Geschlechterdiskriminierung, sondern verursache auch gesundheitliche Beeinträchtigungen. Am 3. Juni wurde die Online-Petition mit zehntausenden von Unterschriften dem japanischen Gesundheitsminister Takumi Nemoto übersandt. Dieser reagierte wenige Tage später und betonte vor einem Parlamentsausschuss die „Notwendigkeit und Angemessenheit“ dieses Dresscodes an einigen Arbeitsstellen. Initiiert wurde der Protest von der Schauspielerin Yumi Ishikawa. 

DEUTSCHLAND

Debatte um die Tamponsteuer

Seit Jahren gibt es Kritik an der derzeitigen Besteuerung von Tampons, Damenbinden und anderen Menstruationsprodukten. Für diese gilt eine Mehrwertsteuer von 19 Prozent. Artikel, die wie Lebensmittel, Sport und Kultur zum täglichen Grundbedarf gehören, unterliegen dagegen einem Steuersatz von 7 Prozent. Genau diesen niedrigeren Steuersatz forderte kürzlich eine Petition, die der Kondomhersteller „Einhorn“ gemeinsam mit dem „Neon“-Magazin und vielen Prominenten initiierte, auch für Menstruationsprodukte. Mittlerweile wurde die Forderung bis zum 28.5.2019 von über 80.000 Menschen unterzeichnet und erhielt somit weitaus mehr als die 50.000 Stimmen, die nötig sind, damit der Bundestag öffentlich darüber berät. Bereits im letzten Jahr fand die Kampagne „Die Periode ist kein Luxus“ viele Unterstützer und Unterstützterinnen. Andere Länder haben bereits auf dieses Problem reagiert und die Steuer auf Damenhygieneartikel abgeschafft, darunter Kenia, Indien, Irland, Mauritius sowie Australien und Kanada. Großbritannien, Frankreich, Spanien und den Niederlanden reduzierten den Steuersatz für diese Produkte auf 5,5 Prozent. 

KANADA

Untersuchung zum Genozid an indigenen Frauen

Premierminister Justin Trudeau hat am 3.6.2019 das Ergebnis einer von der Regierung vor drei Jahren in Auftrag gegebenen Untersuchung zum Genozid an indigenen Frauen und Mädchen veröffentlicht. Es ist die erste Untersuchung überhaupt, die sich mit der Behandlung von Kanadas First Nations befasst und ihr Ergebnis hat international Wellen geschlagen. Über 4.200 indigene Frauen und Mädchen sind offenbar in den letzten Jahrzehnten ermordet, misshandelt, vergewaltigt worden oder gelten vermisst. Trudeau sprach von Völkermord und versicherte den Opfern, Hinterbliebenen und Angehörigen dieser Gruppen: „Ihr seid nicht allein“. Die Untersuchung legte das Versagen von Polizei, Justiz und Behörden dar, die dem Tod und Verschwinden dieser Frauen offenbar aus Rassismus und Desinteresse nicht gründlich genug nachgegangen waren. 

DEUTSCHLAND

Neue Regeln für die Reproduktionsmedizin?

Eine Arbeitsgruppe der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina und der Akademieunion hat am 4.6.2019 Empfehlungen für ein neues Gesetz in der Reproduktionsmedizin vorgelegt. Laut Experten seien die Behandlungen rund um künstliche Befruchtung, Leihmutterschaft oder Präimplantationsdiagnostik in Deutschland nicht auf internationalen Stand. Reproduktionsmedizinische Praktiken seien veraltet und viele Paare suchten deshalb Hilfe im Ausland, was wiederum rechtliche oder versicherungstechnische Probleme mit sich bringen könne. Unter anderem fordern die Verfasser des Dokuments die Legalisierung von Eizellspenden hierzulande. 

USA

Neuer Kampf um Abtreibung

Der jahrzehntelange Streit zwischen Gegnern und Befürwortern von Abtreibungen in den USA nimmt einen neuen Höhepunkt. Alabama bekommt das strikteste Abtreibungsgesetz im ganzen Land.Die republikanische Gouverneurin Kay Ivey hat am 15.5.2019 einen Gesetzesentwurf unterschrieben, wonach Schwangerschaftsabbrüche fast in jedem Fall verboten und zum schweren Verbrechen erklärt werden. Es drohen bis zu 99 Jahren Haft. Einzige Ausnahme: die Gesundheit der Frau ist gefährdet. Selbst bei Fällen von Vergewaltigung und Inzest soll es keine Straffreiheit geben. Im Jahr 1973 hatte der Oberste Gerichtshof der USA Abtreibungen auf nationaler Ebene für grundsätzlich legal erklärt. Auch deswegen wollen Kritiker gegen das neue Gesetz vorgehen. 


15. April 2019

SUDAN

Frauen an der Spitze der Proteste

Die monatelangen Proteste gegen den sudanesischen Machthaber Omar al-Baschir, die bereits im Dezember 2018 begonnen hatten, haben am 11. April zu einem Militärputsch und zu einer erzwungenen Abdankung des autoritären Herrschers nach 30 Jahren geführt. An der Spitze der Proteste, die zum großen Teil von Frauen getragen wurden, stand die 22-jährige Architekturstudentin Alaa Salah aus Khartoum. Salah ist zum Symbol der Revolution geworden, als ein Filmausschnitt viral wurde, der sie dabei zeigte, wie sie die Massen zum Widerstand aufrief. 

CHICAGO

Erste Afroamerikanerin wird Bürgermeisterin

Die 56-jährige Demokratin Lori Lightfoot wurde am 2.April zur ersten afroamerikanischen und offen homosexuell lebenden Bürgermeisterin der Millionenmetropole Chicago gewählt. Lightfoot gehört dem linken Flügel ihrer Partei an und gilt als progressive Newcomerin. Die ehemalige Bundesstaatsanwältin will gegen soziale Ungleichheit und Gewalt vorgehen. Chicago kämpft seit Jahren mit Kriminalität und Korruption. Lori Lightfoot will sich vor allem für bessere Lebensverhältnisse in den vorwiegend von Schwarzen bewohnten, armen Stadtvierteln im Süden und Westen der Stadt einsetzen, die stark mit Gangkriminalität konfrontiert sind. 

SLOWAKEI

Bürgerrechtlerin wird erste Präsidentin

Die Juristin Zuzana Čaputová hat die Präsidentschaftswahl in der Slowakei gewonnen – als erste Frau im Land. In der Stichwahl am 30. März erhielt sie 58,4 Prozent der Stimmen. Čaputová dankte den Wählerinnen und Wählern nicht nur auf Slowakisch, sondern auch in den Sprachen der ungarischen und der Roma-Minderheit für ihr Vertrauen. Im Wahlkampf hatte sich die 45-Jährige stark gegen Korruption, für mehr Umweltschutz sowie für Rechte von Homosexuellen und das Recht auf Abtreibung stark gemacht. Sie machte zudem klar, dass sie pro-europäische Positionen vertreten werde. Sie selbst bezeichnete vor den Medien im Land ihre Wahl als Beweis für einen „Ruf nach Veränderung“. Zuzana Čaputová wird ihr Amt am 1. Juni antreten. 

DEUTSCHLAND

Erste Frau übernimmt Trainerposten in Fußball

Die Ex-Nationalspielerin und Rekordtorschützerin Inka Grings hat im April als erste Frau einen Trainerposten in der Fußball-Regionalliga übernommen.  Grings soll die Männer des SV Straelen vor dem Abstieg retten.Herrmann Tecklenburg, der Vorsitzende des Vereins, sagte dazu:  „Ich weiß, dass Frauen mehr Ehrgeiz haben und mehr Präzision in ihre Arbeit stecken als manche Männer. Inka Grings stammt aus einer Düsseldorfer Arbeiterfamilie und spricht den rauen Ton der Fußballer. Sie lässt sich von den Jungs nicht ins Boxhorn jagen.“

ITALIEN

Protest gegen reaktionären Familienkongress

Frauenrechtlerinnen haben in Verona zu einer transnationalen, feministischen Versammlung am 31. März aufgerufen, um gegen den Weltfamilienkongress („World Congress of Families“) zu protestieren, der in der Stadt tagte. Dieser wird angeführt von erzkonservativen Christen, rechten Politikern sowie Gegnern von Abtreibung und Homosexualität und akzeptiert als einzige legitime gesellschaftliche Struktur die traditionelle, „natürliche“ Familie. Die Feministinnen, die sich im Rahmen einer internationalen Kampagne formiert haben, kündigten an, gegen die „reaktionäre Agenda“, gegen Rassismus sowie für Selbstbestimmung und gleiche Rechte von Frauen und Homosexuellen zu kämpfen.

USA

New-York begrüßt weibliche Statuen

Die Hälfte der 8,6 Millionen Menschen in New York ist weiblich – aber nur fünf von 105 Statuen bilden Frauen ab. Dem will die Stadt nun entgegentreten und verkündete am 6. März vier neue Frauenstatuen auf den öffentlichen Plätzen der Metropole. Mit den Monumenten geehrt werden sollen folgende Persönlichkeiten: die Jazzsängerin Billie Holiday, die Leuchtturmwärterin Katherine Walker, die Afroamerikanerin Elizabeth Jennings Graham, die 1855 eine Klage gegen Rassendiskriminierung gewonnen hatte, sowie Helen Rodríguez Trías, die sich in den 1980er Jahren für ein Programm stark gemacht hatte, das von HIV betroffenen Familien half. 

LIBANON

Erste Frau übernimmt Innenministerium

Seit letztem Februar ist Raya Haftar al-Hassan die erste Innenministerin in einem arabischen Land. Die 52-jährige Sunnitin war bereits 2009 als erste arabische Politikerin zur Finanzministerin ernannt worden. In ihrer Antrittsrede versprach sie den Einsatz für Stabilität und Sicherheit unter Einhaltung von Menschenrechten und Meinungsfreiheit. 

TÜRKEI

Kampagne nach dem Tod einer Studentin

Der Tod der Studentin Sule Cet hat in der Türkei zum Weltfrauentag am 8. März viele Menschen auf die Straße getrieben. Im Mai 2018 war die Leiche der 23-Jährigen vor einem Bürohochhaus in Ankara gefunden worden. Laut ihres Chefs und seines Begleiters, die sie zuletzt gesehen hatten, hätte sich Cet in Selbstmordabsicht aus dem 20. Stock des Gebäudes gestürzt. Doch an dieser Version gibt es Zweifel. Neben DNA-Spuren des Chefs unter ihren Nägeln seien Hinweise auf eine Vergewaltigung gefunden worden. Vor Gericht kam es zum Eklat, als die Anwälte der Männer argumentierten, Sule Cet sei keine Jungfrau und betrunken gewesen, was Beweis für die Zustimmung zum Geschlechtsverkehr sei. Laut der Studie einer NGO nehmen Gewalt gegen Frauen und Frauenmorde in der Türkei seit Jahren zu. Freunde der jungen Frau starteten die Internetkampagne „Gerechtigkeit für Sule Cet“.