Deine Haut, wenn die Jahre

                                                                               Von Maren Kames

 

 

 

Dass dein geflochtenes Haar, wenn der Herbst.

 

Dass deine Augenfarbe wie meine, dein Gesicht aber eigentlich,

die Krümmung deiner Nase zum Beispiel, mit meinem sonst nichts.

 

Wie viel Zeit ich dir nicht widme, dass du so selbstverständlich.

 

Wie deine Hände auf deinem Bauch, unter dem ich lag, mit meinen

Händen am Kopf, zwei Zentimeter groß, wie unsere Hände am Hörer heute.

 

Dass die Stille in der Telefonleitung zwischen deinem Ohr und meinem,

wie die Stille auf der Straße vor dem Fenster nachts.

 

Dass ich mich immer im Abstand zu dir eigentlich ändere oder stelle

und verstecke.

 

Wie ich mich versteckt habe, früher, unter einer Treppe im Haus, wie du 

nichts gemerkt hast, wie ich nicht merke, dass der Abstand zwischen uns,

zwei Zentimeter, zweieinhalb Jahrzehnte, und die Kilometer, die Leitungen

und die Stille auf der Straße nachts.

 

Die Schnur am Telefon, und die Schnur am Telefon, die Hände auf deinem

Bauch, die Schnur unter eine Treppe irgendwo weit.

 

Dass ich Flecken finde auf deinen Händen, dass deine Verwirrung eine Kapsel.

Wie du vor einem Fenster sitzen wirst, dein Profil im Gegenlicht, die Krümmung

deiner Nase zum Beispiel, dein durchsichtiges Haar.

 

Dass du dich trotzdem immer noch schminkst und einmischst. Was sich

unter unsere Haut mischt, unter diese Treppe, in die Stille zwischen 

meinem Ohr und deinem.

 

Dass deine Haut, wenn die Jahre, dass du durchsichtig wirst mit der Zeit.

 

Dass dein Haar dünner wird mit dem Herbst.

Dass du ausfällst irgendwann. 

Maren Kames (*1984 in Überlingen am Bodensee) lebt als freie Autorin und Übersetzerin in Berlin. Für ihr Debüt HALB TAUBE HALB PFAU (Secession Verlag für Literatur, 2016) wurde sie unter anderem mit den Jury- und Publikumspreisen des 21. Open Mike, dem Anna Seghers Preis und dem Kranichsteiner Literaturförderpreis ausgezeichnet. 2016 war sie die erste Kooperationsstipendiatin des Literaturhauses Stuttgart und der Akademie Schloss Solitude und übertrug in dieser Zeit den Text ihres Buches in Form einer audiovisuellen Installation als Ausstellung in die Räume des Literaturhauses. Weitere räumliche und interdisziplinäre Umsetzungen des Textes in Form von Live-Hörspielen, Performances und Installationen waren im Haus der Kulturen der Welt, dem Literaturhaus Freiburg, der Ursula Blickle Stiftung und der Kölner Oper zu sehen. 2019 wird sie als Stipendiatin der Villa Aurora drei Monate in los Angeles verbringen. Im Herbst des selben Jahres erscheint ihr zweites Buch LUNA LUNA.


 

                                           Von Marina Zwetajewa

 

 

 

 

Ein Auszug aus Mein weiblicher Bruder

 

 

 

     (Mein Kind, meine Freundin, mein Alles 

und- Ihr geniales Wort, Madame- mein 

weiblicher Bruder, niemals: Schwester. Es 

ist, als ob ihnen dieses Wort Schwester

Angst einflößte, als ob es sie gewaltsam in 

eine Welt verbrächte, die sie für immer

verlassen haben.)

    Zunächst fürchtet es die Ältere mehr, als

die andere es herbeiwünscht. Man könnte

sagen, es sei die Ältere, die in sich die 

Verzweiflung schafft, Lächeln in Seufzer 

verwandelt, Seufzer in den Wunsch, den

Wunsch in Besessenheit. Es ist die Beses-

senheit der Älteren, welche die Besessen-

heit der Jüngeren erschafft. - Du wirst 

fortgehen von mir, du wirst fortgehen von

mir, du wirst fortgehen von mir. Du willst 

es von mir, du wirst es vom Erstbesten 

haben wollen… Schon wieder denkst du 

an das… Du hast diesen Mann ange-

schaut. Nicht wahr? - welch ein Vater für

dein Kind! So geh doch, wenn ich es dir

nicht geben kann…

 

 

                             *

 

 

    Unsere Furcht bewirkt, unsere Ängste

beschwören herauf, unsere Besessenheit

verkörpert. Je länger sie es verschweigt, 

desto steter denkt die Jüngere daran, sie

hat nurmehr Augen für die jüngeren Frauen

mit vollen Armen. Zu denken, daß ich nie 

eines haben werde, denn niemals, nie 

werde ich sie verlassen. (Genau in diesem 

Augenblick verläßt sie sie)

 

 

                             *

 

 

     Das Kind - Blickpunkt, von dem sie 

fortan die Augen nicht mehr wird wenden

können. Das verdrängte Kind treibt wie 

ein Ertrunkener herauf an die Oberfläche

ihrer Augen. Man müßte blind sein, um es 

da nicht zu sehen.

    Und sie, die zu Anfang ein Kind von ihr 

haben wollte, wird schließlich ein Kind von 

irgendwem wollen: von demselben er, das

sie verabscheut hatte. Das er, der Peiniger, 

wird zum Erretter. Die Freundin - zur 

Feindin. Und der Wind wendet seine

Kreise…

 

             

                               *

 

 

    Das Kind entsteht in uns weit vor seiner 

Entstehung. Schwangerschaften gibt es, die 

Jahre der Hoffnung dauern, Ewigkeiten

des Verzweifelns.

 

 

                              *

 

 

   Und all die Freundinnen, die sich verhei-

raten. Und die Gatten dieser Freundinnen,

so fröhlich, so offen, so nah... Zu denken,

daß auch ich...

   Eingemauert.

   Lebendig begraben.

   

 

                              * 

 

 

   Und die andere müht sich. Anspielun-

gen, Verdächtigungen, Vorwürfe. Die Jun-

ge: - Du liebst mich also nicht mehr? - Ich

liebe dich, freilich - wo du doch fortgehen

wirst.

   Du wirst fortgehen von mir, du wirst

fortgehen von mir, du wirst fortgehen von

mir.

 

 

                              *

Marina Zwetajewa (1892-1941) war eine der größten russischen Dichterinnen des XX Jahrhunderts. Sie schrieb vom Symbolismus beeinflusste Lyrik und Dramen. Tochter eines Professors für Kunstgeschichte und einer Pianistin, reiste sie in ihren jungen Jahren viel durch Europa und lernte deutsch, französisch und italienisch. Nach der Oktoberrevolution von 1917 und dem Tod ihrer zweiten Tochter 1920 in Folge von Hungersnot, reiste sie nach Berlin, dann nach Prag und schließlich nach Paris wo sie viele Jahre verbrachte. Ihren Ehemann, den Offizier Sergej Efron, den sie 1912 geheiratet hatte, blieb sie trotz ihrer zahlreichen heftigen Liebschaften mit Männern und Frauen ihr Leben lang verbunden. Weil ihre Kinder und ihr Ehemann zurück nach Russland wollten, entschloss sie sich nach 17 Jahren Exil 1939 zur Rückkehr in Stalins Sowjetunion. Sie nahm sich am 31.August 1941 das Leben einige Wochen nachdem sie mit ihrem Sohn in die Tatarische Volksrepublik evakuiert wurde. Der vorliegende Text ist Teil eines Briefes Mein weiblicher Bruder, Brief an die Amazone, den sie 1932 auf französisch verfasste. Mit einer blendenden Sprache, stellt er eine der schönsten Reflexionen über die Zweifel und Ängste, die eine Liebesbeziehung zwischen zwei Frauen beschatten kann, dar. Dieser Brief wurde 1995 auf deutsch übersetzt und erschien beim Verlag Matthes & Seitz


 

                                                          Von Sonja vom Brocke

 

 

 

Hebst du die linke Hand, sage ich ab, senkst du die Lider, zu. 

Wenn ich dir nicht trauen kann, löst sich, was ragt und rankt, auf.

 

So schälte sie sich aus Faltenwürfen, Gesundheit?

 

Den mündigen Auftritt (ohnehin schon verklebt) ins Licht, die Verhältnisse, 

nicht abzubinden, zuzuziehen, hat ungemütliche Folgen. Schärft das Ermessen, 

auf der Schneise zur Pedanterie. 

 

Doch wühlen ein umrundender Code. Überhaupt verbindet sich Laub gut. 

Echsen-, Ur-, Wasserlaub; Liebeslaube, tropfenabweisende Stirn. 

 

 

 

 

 

 

 

Auf der Treppe die Mutter weinend. Auf der Treppe die Mutter, den Bruder im Arm. 

Auf der Stufe vor der Mutter, den Bruder im Arm. Palmen auf Strickpullover, ein Elefant, 

Kordelschwanz. Auf der Treppe die Mutter, der Vater oben? Die Mutter weinend. 

Die Schwester oben? Die Mutter weint. Die Großmutter neben dem Großvater im 

Schlafzimmer unten. Der Vater weinend? Der Vater? Die Mutter, den Bruder im Arm. 

Trösten wollend vor der Mutter, den Bruder im Arm. Die Mutter weinend, der Vater. 

Der nächste Tag. Die Schwester? Die Oma am nächsten Tag. Haferflocken. Die Mutter 

zur Schule und unten die Oma, der Opa zu Arbeit, Haferflocken. Der Vater? 

Auf dem Balkon. Die Schwester im Nachthemd, auf dem Balkon. 

 

 

 

 

 

 

 

Fragezeichen hafteten ihr an. Ist eine 0-Mutter

ihre Kamera fiel in die Tiefe.

 

Verschwommene Wipfel, ärgerer Wuchs, Kliff, ihre Haut, Augen: weder außen 

noch innen

 

über die Straße in Birmingham ein hoher Schuh, folgt einem hohen Schuh

Noten umtanzen die Schuhe

 

ein Notenschlüssel ruckelt, schüttet Spatzen aus, Durstlöscher

sag, was du willst, die Schuhe stöckeln fort 

 

ein Bus, der um die Ecke wuchtet, in Kreuzberg 

in Woodstock  

 

 

 

 

 

 

 

Der Präsenzprimat erstickt ihren Kummer. Sieh, seine von Flaum umzärtelte Rosette! 

Setzt er sich drauf. Solche Ausstülpung; der Tod ist erfunden. 

 

Aber Schaukel – Schaukel, erinnerst du dich? Deine Entenart, du Schnabel, an dem 

ich mir den Schritt aufrieb. Und die grüne Leiter, auf der ich oben nicht wusste, was tun.

Zum Plastiktümpel, kichernd im Schlick ein paar namenlose Insekten. Jesus tot. 

Ein Holzstück in der Kirche. Tot und grob ins Düstere geschnitzt, Spalte, die mich 

nicht ansahen. Und Hoffnung, bevor ich mir mehr als das Bächlein ersehnte, Eier 

und den Nachbarsjungen, glich einer geschnitzten Schuld. 

 

Nun. Das Zweitnutzungshuhn kleine Rettung? Geschreddert habe ich nicht, zermalmt 

nur im Mund. Als Kind kaum empfänglich für Fließbänder, die Gockelselektion, 

ein Drücken auf die Kloake, und im Trichter zerhexelt, oder vergast. Als Kind 

ein Flechtkorb in den Händen, ausgelegt mit Osterservietten. Die Suche im Garten 

nach getüpfelten, gekochten Eiern. Der Hase! Welt verfügbar und geheimnisvoll 

zugleich, Odem geploppt unter dem Haselnussbaum, da! Ich hab ihn, und zwischen 

die Holzscheite. Und die Hühner danken dem Hermeshasen, tock-tock, stolz auf ihren

essbaren Schmuck. 

 

 

 

 

 

Doch Magie klebte fest unter dem Mistkäferpanzer. 

Verkauzte unter dem Mistkäferpanzer. 

Triumphiert die Gockelselektion. 

Störenfriede. Machos in alberner Uniform. 

Und die Arbeiter tragen Windeln. 

 

 

 

 

 

 

 

Und sie liefen und liefen und der Weg war das Ziel, war die Wüste. Das Maultier 

trug Decken und ein Kind, auch ein weiteres Kind, und am Rande blieben sie liegen. 

Und sie waren durstig. Und sie wurden gepeitscht, denn der Weg war das Ziel, 

und wer sich nicht erhob, der wurde erschlagen. Und das Maultier keilte nicht aus. 

Seine trockenen Hufe und Rücken trug Decken, das Kind, und die Alte. Und der Weg 

war das Ziel, war die Wüste, ihr innerster Kreis. War Hunger. Und Soldaten schunden 

das Maultier, die Frauen, die Männer, Kinder. Und es trieb sie Grimm. Die Alte heulte auf. 

Und sie liefen und schleppten, siechten. Und wer sich nicht wehrte, wehrte, der wurde 

erschlagen. Denn der Weg war das Ziel. Gab es Geier? Gab es Brot, gab es Wasser? 

Wozu Nahrung, wenn der Weg war das Ziel die Wüste. 

 

 

 

 

 

 

 

Aus dem Bildschirm liefen sie, verfrühte Geister, in ihre Brust. 

Doch die kann sie nicht bergen. Ihre putzige Brust. 

So ging sie in den Topfmarkt, legte Körner in Behälter, 

für jeden Abschied einen, zu wenig Behälter

 

 

 

 

 

Aya

Aya

die einzigen Töne, die sie vernahm. 

Sie schwirrten in der Luft, exakt und vollkommen. 

Komma-, klimalos. 

Kein Pfeil, der zur Seite zeigte, verfing sich. 

 

 

 

 

 

 

 

Allein, schau, Gruftbraut. Deine fauligen Zähne. Wie du lachst! 

Warst eine Aufsässige; doch erst heute erreichst du die wahre Provokation. 

Bist eine Brache, müffelnder Bauch. 

Rastplatz für Flughunde, der Lustigste schwingt in deinen schimmelnden Lamellen. 

Schatten-Schatten-Schatten, das kennt er. Dann fliegt er. 

 

Riech, deine Nichte. Das ist der Babyduft. Das ist der wachsende Mensch. 

Hier wird der Mond holde Augen machen und die Physiognomie verlassen. 

Aber du? Wiegst sie im Arm wie eine knöcherige Buche. 

Lugst zaghaft aus der Verknorpelung: bibberndes, transparentes Wesen ... 

Gluckst. 

Rosig. Rot. Rosig. 

Seine unwägbare Schönheit raubt dir die Luft.

 

 

 

 

 

 

 

schlimmer als ein Ereignis       Natter

knotiger Unmut

deine regellosen Wirbel Beweis 

für das Aufgeschlagene, Rohe

                                      vor Achtung

hämisch blickst du drein. 

Bist Paragrafmaschine?

 

 

 

 

 

 

 

Sonja vom Brocke, geboren 1980 in Hagen, lebt als Autorin und Übersetzerin in Berlin. Zuletzt erschien ihr Gedichtband "Venice singt" (kookbooks, 2015). Der vorliegende Text ist Teil eines neuen Manuskriptes.


 

                                                                                   Von Sandra Gugić

 

 

 

feuchtigkeit zwischen den beinen splitterbruch im kleinen finger 

mit dem man erledigt was keines aufhebens wert diese liebe steht 

und fällt in pastellerwartungshaltungen verstärkt farbgebung die stimmung 

im handlungsbogen darf ich sprechen oder schweigen der unterschied 

verwäscht perpetua mobilia schwimmende farbwechsel

von schreien zu schreiben ich als chamäleontarnfarbener geheimtipp 

der noch zu entdecken gilt ich im trainingsanzug beim waldlauf mit anspruch 

auf vollständigkeit unversehrheit den zeitgeist im nacken ich als piktogramm 

handlungsanweisung haustierfrau nicht auf gedanken ideen kommen 

es könne anders sein als muttermuttertier ich als bezaubernde 

vermeidungsstrategie ich mit dem selbstbewusstsein einer assgebleachten 

königin ich als spitze der gesellschaft ich als brutales ödland 

ich als penetration in malerischer labiamajoralandschaft lebensgroß 

als versöhnung als gefahr oder kontrollparadigma ich als geschichte in der 

geschichte ich als weiß der popupinupschablone ich als aktuelle generation 

ich als final girl ich als position einer vielseitigen leerstelle 

ich als vorstellung vom rande europas 

ich als momentaufnahme im augenwinkel

ich als geräusch

von schreien zu schreiben 

 

 

 

Sandra Gugić, 1976 in Wien geboren, ist eine serbisch-österreichische Autorin, die in Berlin lebt. Sie studierte an der Universität für Angewandte Kunst Wien und am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Sie hat zahlreiche Veröffentlichungen (Prosa, Lyrik, Essays) in Zeitschriften und Anthologien sowie Arbeiten für Theater und Film verfasst. Sie wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet, unter anderem den Reinhard-Priessnitz-Preis in 2016 für Astronauten (Roman, C.H Beck, 2015). Sandra Gugić ist Mitbegründerin von Nazis & Goldmund, einer Autor*innenallianz gegen die europäische Rechte. Ihr erster Lyrikband erscheint 2019 im Verlagshaus Berlin. Das Gedicht wird mit der freundlichen Genehmigung des Verlags veröffentlicht.


Frauen gehen

 

 

                                         Von Odile Kennel

 

 

 

Gedicht mithilfe von Google*

 

 

 

Frauen gehen anders fremd

Frauen gehen häufiger fremd

Frauen gehen geschickter fremd

Frauen gehen aus unterschiedlichen Gründen fremd

Frauen gehen fremd forum

Frauen gehen zu zweit aufs Klo

Frauen gehen in Gruppe aus

Frauen gehen essen

Frauen gehen in Führung

Frauen gehen auf die Barrikaden

Frauen gehen durch die Hölle

Frauen gehen mir auf die Nerven

Frauen gehen in die Wanne

Frauen gehen in Klamotten baden

Frauen gehen sich durchs Haar

Frauen gehen nüchterner mit Aktien um

Frauen gehen zu wenige Risiken ein

Frauen gehen auf die Jagd

Frauen gehen häufiger zum Arzt

Frauen gehen häufiger zum Psychotherapeuten

Frauen gehen nie wütend ins Bett

Frauen gehen mit Messer aufeinander los

Frauen gehen shoppen

Frauen gehen voran

Frauen gehen ihren eigenen Weg

Frauen gehen zum Networken auf den Spielplatz

Frauen gehen nie ungeschminkt aus dem Haus

Frauen gehen offensiv in zweites EM-Spiel

Frauen gehen auf wie Hefe

Frauen gehen zum Frauenarzt

 

 

 

Frauen denken

 

 

                                     Von Odile Kennel 

 

 

Gedicht mithilfe von Google*

 

 

 

 

Frauen denken anders

Frauen denken (noch immer) anders

Frauen denken nur an sich

Frauen denken mehr als Männer

Frauen denken zu viel

Frauen denken nicht logisch

Frauen denken mehr drüber nach was Männer denken

Frauen denken mehr ans Wohnen

Frauen denken emotional

Frauen denken quer

Frauen denken anders Männer nicht

Frauen denken anders Männer auch

Frauen denken anders als wir menschen

Frauen denken mit zwei Hirnhälften

Frauen denken nur ans Geld

Frauen denken logisch

Frauen denken anders übers Geld als Männer

Frauen denken den Irak neu

Frauen denken vernetzend

Frauen denken mit Gefühlen

Frauen denken. Männer nicht. Denken Frauen

Frauen denken an Freundschaft

Frauen denken weniger strategisch

Frauen sagen nie was sie wirklich denken

 

 

 

 

Frauen wollen

 

 

                        Von Odile Kennel

 

 

 

Gedicht mithilfe von Google* 

 

 

 

 

Frauen wollen vor allem Geld

Frauen wollen reden

Frauen wollen mehr arbeiten

Frauen wollen mehr

Frauen wollen nicht den Schönsten

Frauen wollen den perfekten Mann

Frauen wollen keinen Mann

Frauen wollen einen Mann, der sie führt

Frauen wollen erwachsene Männer

Frauen wollen kleine Handtaschen

Frauen wollen mich nicht

Frauen wollen Frauen besänftigen

Frauen wollen keine Cinderella sein

Frauen wollen Käthchen werden

Frauen wollen den Pott

Frauen wollen Titel verteidigen

Frauen wollen einen gut aussehenden Partner

Frauen wollen gebundene Männer

Frauen wollen unabhängig sein

Frauen wollen keine längeren Affären

Frauen wollen immer nur das eine

Frauen wollen beides

Frauen wollen alles

Frauen wollen parteiübergreifendes Netzwerk

Frauen wollen wieder richtige Männer

Frauen wollen in langer Beziehung weniger Sex

Frauen wollen Überraschung

Frauen wollen Aepplis Job  

 

 

*Serie von drei Gedichten nach einer Idee von Angélica Freitas, in: O útero é do tamanho de um punho/der Uterus ist groß wie eine Faust; Übersetzung: Odile Kennel. Für das fertig übersetzte Manuskript wird noch ein Verlag gesucht. Die Übersetzerin dankt für sachdienliche Hinweise.

 

Odile Kennel, deutsch-französische Lyrikerin, Autorin und Übersetzerin. Zuletzt erschienen: Der Roman Mit Blick auf See (dtv 2017); Gedichte oder wie heißt diese interplanetare Luft (dtv 2013); Der Roman Was sagt Ida. (dtv 2011)


terz

 

 

 

                                                      Von Dagmara Kraus 

 

 

 

 

 

 

le tlu est mort

poison impoisson

pleurez

 

                                                                            Konrad Bayer, L'invocation et miracle du tlu

 

 

 

 

 

 

 

man hat mich aufgemacht 

durchsucht den bauch 

und fand dich nicht

 

fand nirgends dein gesicht

nirgends dein versteck

 

sohn töten

töten wollt ich dich

 

du warst aber schon weg

 

 

 

 

2

 

         im dreieck 

         aus schmerzen

         hockst du

 

                   klein wie ein tlu

                   scheu wie ein tlu

                   tot wie ein tlu

 

 

 

 

3

 

 

vier schwerter zu wenig

vier schmerzen zu klein

um die dolorosa zu sein

 

eher doloröslein

 

im dolorosenhain

 

pflücke sie nicht knabe

weil ihr herz sticht 

und sie weint

 

 

 

 

 

 

das dritte im nest ist sagen

nach meistens ein männchen

 

du wurdest nicht 

warst nicht tlu

 

zages

wennchen

 

 

 

 

5

 

 

oase roch speien 

ichkanal krank

kernchen?

     kein kernchen

kernchen sei dank

 

 

 

 

6

 

 

alle ritte wich eines

schrunze 

terz 

schrunde

herzwärts geschrumpft 

terz 

wunde 

drittes

wich eins denn alle ritte

 

 

 

 

7

 

 

keile kut kaleka

 

da wächst die kleine kut

die kut sie wächst die kut 

 

wachsnich 

kut

 

magsnich 

kut

 

die kut 

wächst weiter

 

keine kut.

 

 

 

 

8

 

 

du fuchsgeist

du öffentlicher bus

dein herz ist schwarz 

wie das gift 

giftiges harz

du munkathasenbrotquas

du nagelnot 

du tochter loths

du leere schot

poison impoisson 

tlu tut tot

tlu tut tot

tot

 

 

 

 

9

 

 

kose dich der knochen

 

 

 

 

 

 

 

 

Dagmara Kraus, geboren 1981 in Polen, ist eine deutsch-polnische Lyrikerin und Übersetzerin. Seit ihrem Debütband "kummerang" (kookbooks 2012) sind vier Gedichtbände erschienen, zuletzt "wehbuch" (Urs Engeler/roughbooks 2016) und das Kinderbuch "alle nase diederdase" (kookbooks 2018). Sie lebt in Berlin.